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Sicher sind jedem Menschen in unserem christlich geprägten Kulturkreis Weihrauch und Myrrhe bekannt. Selbst Leute wie ich, die ein atheistisches Elternhaus hatten, denken sofort an die drei Magier oder die drei Heiligen Könige aus dem Morgenland, die dem Jesuskind die wohl wertvollsten Stoffe der damaligen Zeit, nämlich Weihrauch, Myrrhe und Gold, wie einem König zu Füßen legten. Die Weihnachtsgeschichte - vor 2000 Jahren in einem so andersartigen Land entstanden - die Bibel berichtet uns darüber. Was waren das für Stoffe?
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Auf der Suche nach Antworten auf diese Fragen, habe ich viel Überraschendes erfahren. Ich nahm zuerst an, Weihrauch und Myrrhe seien ähnliche Pflanzen, wie unsere altbekannten Kräuterstauden im Garten, im Wald und auf der Wiese, die man einfach verbrannte und deren Rauch so stark duftete, daß sie zu solcher Berühmtheit gelangten. Doch ich irrte mich.
22 mal werden Weihrauch und Myrrhe in Altem und Neuem Testament genannt. Besonders auffallend häufig werden Düfte im Hohelied des Salomon genannt. Zu Zeiten Salomons, vor etwa 3000 Jahren spielten Düfte im Orient eine große Rolle. Sie waren die Verkörperung alles Schönen. Einige der wichtigsten Handelsstraßen kreuzten sich in Jerusalem und brachten König Salomon großen Einfluß in der damaligen Welt. Tief aus der arabischen Wüste, aus dem heutigen Jemen und Oman brachten schwerbeladene Kamelkarawanen Weihrauch und Myrrhe zum Mittelmeer. Beides Harze von Bäumen, die nur unter den extremen Bedingungen der Wüste am Südwestzipfel der Arabischen Halbinsel gedeihen können. Harze guter Qualität sind schwer zu gewinnen und wurden durch den schwierigen Transport quer durch die Wüste so kostbar wie Gold. Nur Könige konnten sie sich leisten.
Als Mose von Gott die Gebote erfuhr, soll Gott ihm auch bestimmt haben, mit welchen Stoffen, verräuchert, man Kontakt zu ihm aufnehmen kann. Der Tempelrauch bestand aus Weihrauch, Myrrhe, Balsam und Galbanum.
Seit Weihrauch in der christlichen Kirche verwendet wird, die sich seit ihrer Entstehung, fast über die ganze Welt ausgebreitet hat, ist Weihrauch noch knapper geworden und es kommt auch gepanschter Weihrauch oder Weihrauch schlechter Qualität zur Anwendung, daher der oft etwas muffige Geruch in den Kirchen.
Weihrauch enthält psychoaktive Stoffe, ähnlich dem Marihuana, die eine bewußtseinserweiternde Wirkung haben. So mancher Ministrant soll bei zu starker Räucherung schon aus den Latschen gekippt sein. Die Heilwirkung des Weihrauchs wurde oft untersucht. Man sagt ihm keimtötende, desinfizierende, zellerneuernde, wundheilende, antirheumatische und insektentötende Wirkungen nach. Er ist ein sehr wirksames Antistreßmittel.
In dem Paar - Weihrauch und Myrrhe - verkörpert Myrrhe den weiblichen Teil. Sie steht für Körper und Erde, während Weihrauch in der Symbolik für Himmel und Geist steht. Myrrhe wirkt erdend, beruhigend, verlangsamend, zusammenziehen, verdichtend. Myrrhe soll sich gut dafür eignen, einen wieder auf die Beine zu stellen. Myrrhe gilt als das Harz der alten Göttinnen
Als Heilmittel wirkt sie wundheilend, gewebestärkend, narbenbildend, hautreinigend, und desinfizierend. Hildegard von Bingen nannte sie fiebersenkend. Der Myrrhe wird auch ein tumorhemmender Effekt nachgesagt, und sie soll ein gutes Mittel gegen Pilzbefall des Darmtraktes (Candida) sein.
In der Weihnachtsgeschichte ist wahrscheinlich nicht das Harz der Myrrhe gemeint, sondern die noch viel kostbarere Stakte, ein Produkt aus den ausgekochten Blättern und der Rinde des Myrrhenbaumes . Myrrhe bekam Jesus nicht nur zu seiner Geburt, sondern auch zu seinem Tod. Es war damals üblich, den Verurteilten vor der Hinrichtung Myrrhenwein zur Betäubung zu reichen.
Weihrauch und Myrrhe kamen mit der Ausbreitung des Christentums auch zu uns nach Mitteleuropa. Die Kreuzfahrer brachten als Beute auch diese Stoffe mit. Für die in christlicher Tradition Erzogenen mag sich mit den D ften vieles, vielleicht nicht nur Gutes, verbinden, gerade zur Weihnachtszeit, wo sich viele darauf besinnen, da sie eigentlich Christen sind und öfter in die Kirche gehen.
Ich denke, unsere Probleme zur Weihnachtszeit sind nicht so sehr religiöser Art sondern vor allem biologisch und gesellschaftlich bestimmt. Unsere innere Uhr wird trotz künstlichem Licht und gut geheizten Wohnungen immer noch von der Natur gestellt. Wenn wir L sungen für den besseren Umgang mit Kälte, Nässe und Dunkelheit suchen, sollten wir uns bei unseren Vorfahren aus dem nördlichen Europa umschauen, die noch mit viel extremeren Bedingungen fertig werden mußten als wir heute..
Für uns ist in der Weihnachtszeit, am 21. Dezember, die Zeit der Wintersonnenwende. Die Tage sind fürchterlich kurz. Dicke Wolken und Regen lassen die Sonne auch am Tag nicht für uns scheinen. Die Natur liegt grau in grau vor uns. Alles scheint irgendwie traurig. Aber es ist Sonnenwende. Die Tage werden jetzt wieder unaufhörlich länger, der Tiefpunkt ist durchschritten, Wir können wieder Hoffnung schöpfen und uns auf etwas Neues freuen. Kräuter die unsere Vorfahren insolchen Zeiten für ihr Wohlbefinden nutzten, um ihre Wünsche und Hoffnungen in den Himmel zu schicken und um diese Wendezeit zu begleiten sind: Tanne, Lärche, Kiefer, Fichte, Wacholder, Sumpfporst, Alant, Eisenhut, Propolis, Beifuß, Hopfen, Duftgras, Salbei, Königskerze, Melisse, Johannisskraut, Schafgarbe, Kamille.....
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Text und Fotos©: Annett Ossenkopf HTML-Gestaltung: Volker Ossenkopf Letzte Änderung: 19.3.2000 |
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