Holunder

Sambucus nigra

Familie: Caprifoliaceae (Geißblattgewächse)

Andere Namen

Fliederbeere, Holler, Holder, Zibke, Elderbaum, Keilken, Pisseke, Fieder, Eller, Schwarzer Flieder, Altholder, Husholder, Bachholder

Holunderbusch

Botanische Merkmale

Der schwarze Holunder ist einer der weitverbreitetsten Stäucher Europas. Er wird 7-10m hoch und ist sehr wuchskräftig (in einem Jahr +120cm). Der stark verzweigte Stamm ist mit korkähnlichen Warzen übersät. Das Innere der Zweige und Äste ist mit weichem, etwas nach Moschus duftendem Holundermark gefüllt. Ende Mai bis Anfang Juni erscheinen die handtellergroßen, betörend nach Honig oder Trauben duftenden, cremeweißen Blütendolden, die aus vielen winzig kleinen Blüten bestehen. Im Frühherbst entwickeln sich daraus die vitaminreichen, fast schwarzen Holunderbeeren, eine beliebte Futterquelle für viele Vögel, welche dann für eine breite Verteilung der in den Beeren enthaltenen Samen sorgen.

Mythologie

Seine vielen Namen zeigen, dass der Holunder eine besondere Bedeutung für die Menschen hat. In den Bauerngärten ist er oft der beherrschende Baum und wurde oft ganz in die Nähe des Hauses gepflanzt. In Tirol zog man sogar vor jedem Holunderbaum den Hut. Im Mittelalter galt der schwarze Holunder als "heiliger Baum" und niemand hätte es gewagt, ihn umzuhacken oder nur zu beschädigen, weil dies - so glaubte man - für den Täter innerhalb dreier Tage den Tod bedeutet hätte.

Der Sage nach wohnt Frau Holle, die germanische Göttin Holla oder Holda in diesem Baum. Die Germanen brachten ihr unter dem Holunder Opfer dar. Die Göttin Holla war eine milde und freundliche Göttin, die das Leben der Pflanzen und Tiere beschützte. Zur Zeit der Wintersonnenwende, so glaubten die Germanen, zieht die Göttin über die Erde, um mit dem Winter zu ringen und der Erde Fruchtbarkeit und neues Leben zu schenken. Die weißen Schneeflocken verglichen sie mit der Helle der Holda. Sie glaubten, ein Mensch, der wie Holda den Weg des Lichtes geht, überschütten die Götter mit Erkenntnis und Weisheit (Goldtaler bei Grimms "Frau Holle"). An Schneeflocken erinnern auch die herabfallenden Blütenblätter des Holunders. Schneeflocken waren für unsere Vorfahren durchaus etwas sehr huldvolles, deckten sie doch die Pflanzen und die neue Saat zu und schützten sie so vor grimmigem Frost.

Inhaltsstoffe

  • ätherische Öle,
  • Flavonoide,
  • Gerbstoffe,
  • Schleimstoffe,
  • Glykoside,
  • organische Säuren, z.B. Salicylsäure
  • Farbstoffe
  • Vitamine: A, B1, C
Holunderbeeren

Verwendung

Alle Teile des von manchen als lästiges Unkraut verfolgten Strauches können dem Menschen nutzen. Blüten, Blätter, Rinde, Wurzeln, selbst das Holundermark können in Küche, Heilkunde, beim Färben, in der Kosmetik oder gar als Schädlingsbekämpfungsmittel im Garten verwendet werden. Nicht zuletzt bietet dieser Baum vielen Tieren Nahrung und Unterschlupf.

Küche
Beeren Gelee, Wein, Mus, Pudding, Würzsauce, Saft, Kaltschale
Blüten Holunderküchel (ausgebackene Blütendolden), Holundermilch, Sirup, Essig, Sekt, Holunderbrot, Quarkcreme, Blütenzucker
Heilkunde
Blätter Stärkung der Immunabwehr, Entschlacken (Holunderblättertee),
Auflegen bei Verstauchungen und Quetschungen,
Umschläge bei anhaltenden Kopfschmerzen,
Verbrennungen und Hämorrhoiden (Brei mit Milch verrührt)
Beeren Schlaftrunk (verdünnter Holundersaft)
Blüten fiebersenkender und schweißtreibender Tee bei Erkältung und Grippe,
entschlackender Tee bei Rheumatismus, Gischt, Arthritis,
Tee gegen Angst und Depressionen,
leichtes Abführmittel
Wurzeln Lymphknotenentzündung und Nierenbeschwerden
Rinde Magenstärkung, gegen Magenkatarrh (Tee)
MarkSchlafprobleme (psychoaktiver Rauch)
Kosmetik
BlütenAufguss, Creme oder Bad, beruhigend und reinigend, für geschmeidige Haut
Färberei
Blättergrün
Beerenblau, lila, violett
Rindeschwarz
Pflanzenschutz
BlätterJauche gegen Blattläuse

Rezepte zum Ausprobieren


Text©: Annett Ossenkopf
Fotos: Gehes Arzneipflanzen-Tafeln (1924)
HTML-Gestaltung: Volker Ossenkopf
Letzte Änderung: 2.6.2000
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