Artemisia vulgarisFamilie: Compositae (Korbblütler) Andere NamenJungfernkraut, Wilder Wermut, Gänsekraut, Sonnwendgürtel, Johannisgürtel, Mugwurz, Schutzkraut, Edelraute, Flohkraut, Fliegenkraut, Besenkraut Botanische MerkmaleDer mehrjährige Beifuß wächst in Europa, Asien und in Nordamerika wild. Die breiten tiefeingeschnittenen Blätter sind dunkelgrün und an der Unterseite mit silbernem Flaum bedeckt. Die Stengel sind oft rötlich; vom Frühsommer an zeigen sich kleine, gelbe Blütchen. Die Staude erreicht eine Höhe bis 150cm. Beifuß läßt sich leicht durch Teilung der Wurzel und aus Samen vermehren. |
![]() |
Sehr häufig auf Schutthalden, in aufgelassenen Schottergruben, auf Ödland, an Wegen, Bahndämmen und Ufern. Leichter gutdurchlässiger Gartenboden. Volle Sonne.
Der obere Teil der Triebspitzen, etwa 50-70cm, wird zu Blühbeginn abgeschnitten und in großen Büscheln zum Trocknen aufgehängt.
Im Herbst gräbt man die Wurzel aus und trocknet sie im Ganzen.
Da die Blätter wesentlich bitterer schmecken als die Blüten, sollte man für Küchenzwecke besonders blütenreiche Zweige sammeln.
Der Beifuß ist ein naher Verwandter des Wermuts. Er enthält das ätherische Öl Cineol. Im Volksmund wird das "Kraut der Göttin Artemis" als "Heiße Pflanze" bezeichnet, da ihr Duft auf den Körper stark wärmend wirkt. Besonders hilfreich sind Sitz- und Fußbäder mit Beifuß bei allen durch Kälte entstandenen Erkrankungen der Unterleibsorgane.
Als Basismittel bei Verkrampfungen sind mit getrocknetem Beifußkraut gefüllte Kopfkissen nervenberuhigend und entspannungsfördernd. Außerdem schätzt man seine anregende, ausgleichende Wirkung bei Nervosität und seelisch-nervösen Schwächezuständen, die Stimmungslage wird bei Depressionen mit allgemeiner Verlangsamung gut aufgehellt, bei Nervenentzündundungen und Nervenschmerzen bessern sich die Symptome.
Beifuß war seit der Antike ein Frauenheilmittel. Heute noch wird er genutzt, um eine verzögerte oder ausbleibende Menstruation in Gang zu bringen, und kann deshalb angeblich eine Schwangerschaft gefährden. In China wurde er jedoch verwendet, um Fehlgeburten zu verhindern. Beifuß hilft den Zyklus zu regulieren und Schmerzen zu beseitigen. Wie Wermut wurde er äußerlich als Kompresse aufgelegt um den Geburtsverlauf zu beschleunigen und das Ausstoßen der Plazenta zu unterstützen.
In China wird Beifuß auf oder in der Nähe der Haut verbrannt, um kälte- und feuchtigkeitsbedingte Rheumaschmerzen zu lindern. Sowohl in China als auch in Europa behandelt man mit Beifuß äußerlich Rheuma und Gicht
Beifuß ist ein ausgezeichnetes und aus unverständlichen Gründen in Vergessenheit geratenes Würzkraut. Wie der Name Gänsekraut verrät, wurde früher kaum eine Gans oder Ente gebraten, ohne daß ein paar Stämmchen Beifuß verwendet worden wären. Ebenso bei fettem Schweinebraten, und das mit gutem Grund: Die im Beifuß enthaltenen Bitterstoffe und ätherischen Öle machen Fett viel leichter verdaulich. Sie verbessern den Gallefluß und regen die Leber zu einer Erhöhung der Galleproduktion an. Die Wirkung ist etwas milder als beim Wermut . Beifußblätter dienten zum Würzen und Konservieren von Bier, bevor man dazu Hopfen verwendete.
Beifuß sieht zwischen Wildblumen im Garten sehr schön aus. Die getrockneten Beifußstengel machen sich auch sehr gut als Basismaterial für Kräuterkränze.
Beifuß gilt in Europa und Asien als wichtige magische Pflanze. Er war einer der bedeutendsten Ritualpflanzen der Germanen. In einem angelsächsischen Zaubersegen, in dem neun heilige Pflanzen gepriesen werden, steht Beifuß an erster Stelle. Frisches Kraut wurde zum Vertreiben von Krankheitsgeistern verwendet. In Büscheln strich man über die Befallenen und verbrannte das Kraut hinterher.
Beifuß ist eines der ältesten Räuchermittel Europas. Beifußräucherungen sollen sich sehr gut für Situationen im Leben eignen, die eine Entscheidung erfordern, die einen Wendepunkt darstellen. In alten Zeiten hat man zur Sonnenwende die rituelle Beifußräucherung vollzogen. Beifuß soll helfen, an Wendepunkten des Lebens nach innen zu schauen, um innere Ressourcen zu entdecken. Beifuß, das heilsame "Heiße" Kraut spielte auf der ganzen nördlichen Halbkugel in den Mitsommernächten eine sakrale Rolle. Er wurde in das Feuer geworfen, so dass eine helle, violette Lohe entstand. Mit einem Gürtel aus Beifuß sprangen die jungen Leute über dieses Feuer. Als altes Frauenheilkraut sollte es bei Pubertät, Geburt und in den Wechseljahren hilfreich bei-fuß stehen. In ihm war die Göttin, die Frau Holle, die Artemis, die Dea-Ana oder wie die Große Göttin auch genannt wurde, persönlich anwesend.
Beifuß ist Bestandteil des traditionellen Kräuterbüschels und gehört so zu den Schutzräucherkräutern. Beifußräucherung hat außerdem eine entspannende, wärmende und beruhigende Wirkung. Beifuß, auch Mutter der Kräuter genannt, soll helfen können, eigene, heilende Kräfte zu aktivieren. In den kalten nebligen Nächten um den Novembervollmond, dem späteren Halloween, opferten die Weisen Frauen eine Gans, die mit Beifuß eingerieben, der Holle geweiht wurde. Im Gänsefett siedeten die Weisen Frauen ihre Flugkräuter, psychoaktive Kräuter, mit deren Hilfe sie Kontakt zu den Geistern der Verstorbenen, zu den Ahnen aufnehmen konnten, die gerade in dieser Zeit die Lebenden besuchten. Die früheren Namen "Roter Bock" und Besenkraut für den Beifuß werden mit dem Hexenbesen in Verbindung gebracht.
|
Text und Fotos©: Annett Ossenkopf HTML-Gestaltung: Volker Ossenkopf Letzte Änderung: 12.10.2000 |
Zurück zur Hauptseite |
|